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Studie zum Krisenmanagement

Datenschutz Top-Risiko für Unternehmen

2.2 Umsatzeinbußen und

2.2 Umsatzeinbußen und Imageschäden stellen die wesentlichen Krisenauswirkungen dar Als Krisen wahrgenommene Situationen haben für fast die Hälfte der betroffenen Großunternehmen in Deutschland (47 Prozent) in der einen oder anderen Form Umsatzeinbußen zur Folge. Verlorene Umsätze sind damit die häufigste Auswirkung von Unternehmenskrisen. Umsatzeinbußen sind für kleinere Unternehmen dabei offenbar häufiger Kennzeichen einer Unternehmenskrise als für größere: So resultieren Krisenfälle für fast 60 Prozent der Unternehmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitern in verlorenen Umsätzen, bei den größeren Unternehmen beklagen dies nur 42 Prozent. Ob diese Differenzen darauf zurückgehen, dass größere Unternehmen ausgeprägtere Kompensationsmöglichkeiten haben oder kleinere Unternehmen Krisenfälle schlicht enger auf Umsatzauswirkungen beziehen, lässt sich nicht abschließend klären. Als weitere relevante Krisenauswirkungen werden Reputationsschäden, arbeitsrechtliche Konsequenzen, die Abwanderung qualifizierter Mitarbeiter und Schadensersatzansprüche genannt: Jeweils etwas mehr als zwei von fünf der von Krisen betroffenen Unternehmen berichten davon. Vor allem mit der Verschlechterung des Unternehmensimages und der Abwanderung qualifizierter Mitarbeiter bergen Cyber-Angriffe, Betriebsausfälle, Compliance-Verstöße und ähnliche Krisen neben ihren unmittelbaren finanziellen Schäden – wie Umsatzeinbrüchen und Schadensersatzansprüchen von Kunden oder Zulieferern – auch langfristiges Schadenspotenzial, verursachen also Schäden, die sich mitunter erst lange nach Eintreten des Krisenereignisses bemerkbar machen können. Aber auch behördliche bzw. aufsichtsrechtliche Zwangsmaßnahmen und Ermittlungen – wie etwa Bußgelder, Stilllegungen, Gewinnabschöpfungen oder Abberufungsverlangen – sind oft Folge von Unternehmenskrisen: Über 40 Prozent der Unternehmen mit Krisenfällen in der jüngsten Vergangenheit waren von mindestens einer dieser Non-Compliancebedingten Maßnahmen betroffen. Am häufigsten handelte es sich um Bußgelder oder die Stilllegung von Betriebsteilen, nur selten dagegen um Berufsverbote oder gar ein Monitoring nach dem Foreign Corrupt Practices Act (FCPA). Betroffene Unternehmen: Krisenauswirkungen Verlorene Umsätze spielten bei Krisenfällen am häufigsten eine Rolle Umsatzeinbußen Imageschäden Arbeitsrechtliche Konsequenzen Abwanderung qualifizierter Mitarbeiter Schadensersatzansprüche Rücktritt von Führungspersonal Bußgelder Stilllegung von Betriebsanteilen Nichtberücksichtigung bei Ausschreibungen Gewinnabschöpfung Auswirkungen auf Aktienkurs, Bonität, Rating Abberufungsverlangen Berufsverbote Monitoring nach dem FCPA 47 44 43 42 41 28 19 15 15 11 11 4 3 3 Frage: Welche Auswirkungen haben Situationen, die in Ihrem Unternehmen in der Vergangenheit als Krisen wahrgenommen wurden? Basis: 144 Unternehmen, die in den letzten zwei Jahren von Krisensituationen betroffen waren, Angaben in Prozent, Mehrfachangaben möglich. 10

Diese vergleichsweise geringe Bußgeldsensibilität erstaunt: In den letzten Jahren haben vor allem die von amerikanischen Behörden verhängten Bußgelder schwindelerregende Höhen erreicht. So verpflichtete das amerikanische Justizministerium im Jahr 2014 die französische Großbank BNP Paribas zur Zahlung einer Rekordgeldbuße in Höhe von 8,9 Milliarden Euro. In der Praxis der amerikanischen Strafverfolgungsbehörden sind Bußgelder in dreistelliger Millionenhöhe auch sonst keine Seltenheit. Wesentlich moderater sind derzeit die Sanktionsmöglichkeiten nach deutschem Ordnungswidrigkeitenrecht: Gemäß den §§ 130, 30 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten (OwiG) können gegen Unternehmen Geldbußen in Höhe von maximal 10 Millionen Euro verhängt werden. Allerdings stellt die Einziehung ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar. So musste Volkswagen jüngst 995 Millionen Euro an das Land Niedersachsen zahlen. Dies zeigt, dass der Umfang von einzuziehenden Beträgen durchaus für Unternehmen und Konzerne signifikante Auswirkungen haben kann. Auch die teilweise als vergleichsweise milde wahrgenommene Bußgeldpraxis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) dürfte angesichts der nunmehr umsatzabhängigen Bemessung von Geldbußen der Vergangenheit angehören. Das gilt auch für Verstöße beim Datenschutz. So sieht etwa die DSGVO in Art. 84 umsatzabhängige Geldbußen für Datenschutzverstöße vor. Auch die verschiedenen Reformpläne zu Einführung eines Unternehmensstrafrechts enthalten entsprechende umsatzabhängige Sanktionsmöglichkeiten. Insgesamt kann festgehalten werden, dass Unternehmen, die über eine feste Krisenmanagementfunktion verfügen, in einem geringeren Ausmaß von einschneidenden Krisenfolgen berichten als Unternehmen ohne eine solche institutionalisierte Stelle. So sind etwa deutlich weniger dieser Unternehmen von Umsatzeinbußen, Mitarbeiterabwanderung, Führungspersonalrücktritten oder Stilllegungen betroffen als andere Unternehmen (jeweils zwischen 11 und 17 Prozentpunkten niedrigere Inzidenz). Dieses Ergebnis spricht durchaus für die Effektivität eines etablierten Krisenmanagementinstruments: Offensichtlich konnte das Krisenmanagement in einer Reihe von Ernstfällen tatsächlich Schlimmeres verhindern. 3. Fallstricke beim Umgang mit Krisensituationen Zahlreiche Fehlerquellen erschweren Unternehmen in der Praxis den Umgang mit einer Krisensituation. Ein Mangel wird jedoch in unterschiedlicher Weise immer wieder beklagt: der einer unzureichenden – teils gar völlig fehlenden – oder zumindest mangelhaften Krisenkommunikation. Sei es die Kommunikation im Allgemeinen (30 Prozent) oder die interne (11 Prozent) bzw. die nach außen gerichtete (18 Prozent) im Speziellen: Jedes zweite Großunternehmen in Deutschland zählt Kommunikationsdefizite spontan zu den größten Fehlern, die im Unternehmen angesichts einer Krise gemacht werden können. Die Anteile fallen dabei in den einzelnen relevanten Untergruppen recht ähnlich aus. Lediglich bei den größeren Unternehmen gilt das Kommunikationsthema in Krisensituationen noch deutlich häufiger als Schwachstelle als in kleineren Unternehmen (ab 1.000 Mitarbeitern: 53 Prozent, im Übrigen: 41 Prozent). Jedes vierte bis sechste Unternehmen zählt außerdem fehlendes Krisenbewusstsein sowie planlose oder zu späte Reaktionen zu den häufigsten Fehlern. Während die meisten Nennungen damit Fehler beschreiben, die das unmittelbare Echtzeitmanagement der Krise betreffen, erkennen viele Unternehmen auch Mängel im Vorfeld: von nicht getroffenen vorbeugenden Maßnahmen über unzureichende Risikoanalysen bis hin zu unklar definierten Verantwortlichkeiten oder dem fehlenden Notfallplan. Jeweils mehr als jedes zehnte Unternehmen zählt diese fehlenden prophylaktischen Maßnahmen zu den größten unternehmerischen Fehlern im Hinblick auf mögliche Krisensituationen. 11

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