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Studie zum Krisenmanagement

Datenschutz Top-Risiko für Unternehmen

4.2

4.2 Krisenmanagement ist Chefsache – unter Einbindung aller relevanten Abteilungen In den meisten Unternehmen ist die Krisenmanagementabteilung direkt dem Unternehmensvorstand unterstellt. In zwei von fünf Unternehmen mit einer solchen Abteilung oder Funktion wird diese vom Vorstand geleitet. Sehr viel seltener übernimmt stattdessen die Compliance-Abteilung die Federführung in Bezug auf die Krisenmanagementfunktion. In jedem achten Unternehmen (12 Prozent) mit einer solchen Funktion sind die Verantwortlichkeiten so geregelt. Bei den überwiegend international tätigen sowie den börsennotierten Unternehmen ist dieser Anteil mit 18 bzw. 19 Prozent noch etwas höher. Nur in 8 Prozent der Fälle gibt es eine eigene Bereichsleitung für das Krisenmanagement. Vor allem bei den Unternehmen, die börsennotiert sind, ist dies etwas häufiger als im Durchschnitt der Fall (14 Prozent). In den übrigen Unternehmen liegt die Leitung in den Händen jeweils anderer Abteilungen, von der Kommunikations- über die Rechtsabteilung bis zur Internen Revision. Krisenmanagementfunktion: Leitung Zumeist berichtet das Krisenmanagement direkt an den Vorstand — daneben existieren viele unterschiedliche Modelle Vorstand Leitung Compliance Eigene Bereichsleitung Krisenmanagement* Leitung Unternehmenskommunikation* Leitung Finanzen* Leitung Unternehmenssicherheit* Leitung Legal Leitung Qualitätsmanagement* Leitung Interne Revision 41 12 8 6 5 5 4 3 3 Frage: Wer leitet diese Abteilung? Basis: 120 Unternehmen, die eine Funktion/Abteilung für Krisenmanagement haben; dargestellt: Nennungen ab 3 Prozent, *) Spontannennungen. Krisenmanagementfunktion vorhanden: personelle Beteiligung Breite Einbeziehung relevanter Stellen Die jeweilige operativ zuständige Abteilung Vorstand bzw. Vorstandsbüro Rechtsabteilung Kommunikation Compliance-Abteilung Personalabteilung Externe Dienstleister und Berater Produktion Logistik Einkauf und Vertrieb Marketing Aufsichtsrat bzw. Aufsichtsbüro Steuerabteilung Investor Relations 92 81 78 78 73 57 50 48 45 44 43 36 25 19 Frage: Wer ist bei Ihnen am Krisenmanagement personell beteiligt? Basis: 120 Unternehmen, die eine Funktion/Abteilung für Krisenmanagement haben, Angaben in Prozent, Mehrfachangaben möglich. 14

Neben der in der konkreten Krisensituation jeweils operativ zuständigen Abteilung ist eine Vielzahl von Stellen in die Aufgaben der Krisenmanagementabteilungen eingebunden. In vier von fünf Fällen ist darüber hinaus auch die Vorstandsebene direkt beteiligt. Auch wenn diese keine unmittelbar leitende Funktion hat, zeigt sich durch diese strukturelle Einbindung vor allem, dass Krisenmanagement in den allermeisten Unternehmen Chefsache ist. In etwa drei Vierteln der Unternehmen mit planmäßig angelegter Krisenmanagementfunktion sind darüber hinaus aber auch die dem operativen Geschäft übergeordneten Abteilungen eingebunden, wie etwa die Rechts-, Kommunikations-, Complianceund Personalabteilung. Alle anderen Abteilungen sind in weniger als jedem zweiten Unternehmen mit fester Krisenmanagementfunktion eingebunden. Mit jeweils über 40 Prozent am vergleichsweise häufigsten sind das noch die Abteilungen, die dem operativen Geschäft zuzuordnen sind (Produktion, Logistik, Einkauf und Vertrieb, Marketing). Investor-Relations-Abteilungen sind dagegen eher selten involviert (19 Prozent). Jedes zweite Unternehmen nimmt im Rahmen des Krisenmanagements zudem die Dienste externer Berater, wie z.B. auf Krisensituationen spezialisierter Rechtsanwälte, Steuerberater, PR-Agenturen, Forensiker, in Anspruch. Wie bereits festgestellt wurde (vgl. Kapitel 2.1), geht die Einbindung externer Fachleute mit einem messbaren Präventionseffekt im Hinblick auf die Betroffenheit von Krisenfällen einher. Auffällig ist, dass in Unternehmen, die externe Dienstleister in ihr Krisenmanagement einbinden, überdurchschnittlich häufig auch eine Vielzahl anderer Abteilungen personell beteiligt ist. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass externe Berater die Notwendigkeit erkennen, verstärkt auf die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Fachabteilungen hinzuwirken und diese ebenfalls in das Krisenmanagement einzubinden. 4.3 Prävention und Reaktion sind gleichsam unverzichtbar Die Aufgaben von Krisenmanagementabteilungen lassen sich im Wesentlichen in zwei funktionale Bereiche einteilen: die unmittelbare Krisenreaktion, also die Anwendung und Koordination angemessener Maßnahmen im Ernstfall, die Krisensituationen im Unternehmen bestmöglich begrenzen und entschärfen sollen, und die Krisenvorsorge mit Maßnahmen, die das Unternehmen und seine Mitarbeiter auf potenzielle Krisen vorbereiten sollen. Beide Aufgabenbereiche werden von den festen Krisenmanagementstellen in Unternehmen in etwa gleichem Maße abgedeckt: So gehören z.B. die Erstellung von im Ernstfall sofort verfügbaren Notfallplänen für eventuelle Krisensituationen (Krisenvorsorge) sowie die Koordination der Maßnahmen und notwendigen Untersuchungen im Krisenfall (Krisenreaktion) fast immer zu den Aufgaben der Krisenmanagementabteilung, und zwar unabhängig von Größe und Art des Unternehmens. Hier ist allerdings zu beobachten, dass die genannten Notfallpläne, die offenbar sehr weit verbreitet sind, offensichtlich keine umfassenden Ablaufoder Maßnahmenpläne für Krisenfälle darstellen, sondern eher eine rudimentärere Form eines Krisenplans. Detailliertere Maßnahmenpläne, wie beispielsweise Dawn Raids Guidelines, gibt es in Unternehmen mit Krisenmanagementfunktion deutlich seltener, wie sich später noch zeigen wird (vgl. Kapitel 4.4). In mehr als vier von fünf der betreffenden Unternehmen fungiert die Krisenmanagementstelle auch zugleich als zentrale Melde- und Notfallstelle, an die sich Mitarbeiter im Krisenfall wenden können. Diese Funktion ist zwar entscheidend für eine zeitnahe Krisenreaktion, sie kann aber nur im Rahmen der Krisenvorsorge ermöglicht werden: Eine Notrufnummer etwa erfüllt ihren Sinn nur dann, wenn sie den Mitarbeitern bereits im Vorfeld bekannt gemacht wurde. Diese und andere Maßnahmen, die Mitarbeiter im Hinblick auf Risiken und das Erkennen von Krisensituationen sensibilisieren und ihr Verhalten im Ernstfall optimieren sollen, sind Aspekte, die den Mitarbeitern im Rahmen von Schulungen nahegebracht werden: In den meisten Unternehmen mit einer Krisenmanagementabteilung führt diese auch entsprechende Präventivschulungen der Mitarbeiter oder Simulationen von Krisenfällen durch (81 bzw. 72 Prozent). Die eher zum Bereich Krisenreaktion gehörenden Maßnahmen der Rechtskonformität im Krisenfall, der Krisenaufarbeitung und der Vertrauenswiederherstellung gehören meist ebenfalls zu den Pflichten von Krisenmanagementabteilungen (jeweils fast 80 Prozent). 15

Deutsch

Arbeitsrecht
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